Archiv für das Tag 'Flaschenpost'

Nov 15 2010

Zu Johanni (2)

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Er versuchte, die Flasche zu öffnen, doch ohne Werkzeug klappte es nicht. Wieder war er versucht, die Flasche wegzuwerfen, doch dann nahm er sie mit in die Ferienwohnung. Susanne schlief noch, so bereitete er das Frühstück vor und weckte sie mit einem Küsschen. Nach dem Essen suchte er einen Korkenzieher, um den Kork aus der Flasche herauszuziehen, aber ohne Erfolg. Dann brach der Korken entzwei und das Reststück stak noch im Flaschenhals.

„Was willste denn mit der alten Flasche, schmeiß sie doch in den Glascontainer“ empfahl Susanne.

„Aber da ist was drin, das ist bestimmt eine Flaschenpost“ so schnell gab Michael nicht auf.

46 della„Aha, und da sitzt bestimmt ein Geist drin, der Dir Glück bringt,“ Susanne spottete, während sie Della ein Käsestückchen gab.

„Vielleicht“, Michael versuchte, mit seinen beiden linken Händen den Kork herauszupullen.

„Gib her, Du machst nur noch die Flasche kaputt und dann liegen die ganzen Glassplitter rum.“ Sie nahm die Flasche und hatte in Nullkommanix den Korken und auch ein Stück Papier herausgezogen, sie war eben die handwerklicher begabter als ihr Mann.

Die alte Schrift war schon verblasst und in Sütterlinschrift geschrieben, die die beiden an Computerschrift Gewöhnten kaum entziffern konnten, schließlich aber waren sie sicher, wie der Text lautete:

Mensch, der Du diese Flasche gefunden hast, wirst Dein Glück finden, wenn Du am Sonnenaufgang des Johannitages zum Waschstein kommst und zu mir sagst „Ich erlöse dich“. Ich führe dich dann zum Schatz meines Geliebten Franz Störtebecker, dessen blutige Kleider ich immer zu Johanni waschen muss, bis ich endlich erlöst werde. Aber komme nicht zu spät, denn wenn die Sonnenscheibe ganz über dem Meer aufgegangen ist, müssen die Worte gesprochen sein.

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Nov 11 2010

Zu Johanni

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Der Besuch am Königsstuhl und die Sage um den Waschstein hat mich zu einer Kurzgeschichte angeregt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

45 ablaufendes wasser mit spiegelungWie bei jedem Besuch auf seiner Lieblingsinsel Rügen ging Michael am frühen Morgen mit seiner kleinen Hündin Della an den Strand zum Joggen, während seine Frau Susanne noch in Morpheus Armen ruhte. Della raste immer wieder ins Wasser, biss in die auflaufenden Wellen. Dann sprang sie an Michael hoch und brachte ihn beinahe zu Sturz.

„Soll ich Stöckchen werfen?“ fragte er seine vierbeinige Begleiterin und schaute sich auf dem gesäuberten Badestrand um. Nach einiger Zeit fand er einen geeigneten Ast und warf ihn einige Meter in die Ostsee. Della kämpfte sich durch die Wellen, bis sie das Stöckchen erreichte und brachte es quer in ihrer Schnauze heraus.. Doch sie gab es nicht zurück, sondern raste Haken schlagend und von Michael verfolgt nach Norden. Dann blieb sie stehen, ließ das Stöckchen fallen, als Michael danach greifen wollte, schnappte sie es und rannte weiter.

Irgendwann überließ sie es Michael und er warf das Stöckchen weiter ins Meer. Sie rannte hinein, schwamm herum, aber das Stöckchen war hinter einer Welle, sodass sie es nicht sehen konnte. Dafür entdeckte sie einen anderen Gegenstand, packte ihn an der schmalsten Stelle und zog ihn hinter sich her:

„Was hast Du mir denn da gebracht?“ Della gab den algenbewachsenen Gegenstand frei und Michael erkannte eine alte, verkorkte, grüne Glasflasche, in der etwas drin zu sein schien.

„Soll ich die Flasche aufmachen, was meinst Du? Kommt dann ein böser Geist heraus? Soll ich oder soll ich nicht?“

Della schüttelte sich das Wasser aus dem Fell und schaute ihn erwartungsvoll an, sie wartete darauf, dass er die Flasche wieder ins Wasser warf. Schon wollte er die Flasche wegwerfen, aber als wissbegieriger Mann – nein, das war keine bloße Neugier – wollte er schon wissen, was in der Flasche sein könnte.

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